Neuinterpretation des Gedichts „Großstadtliebe“ von Masha Kaleko

Eine Begegnung
Im Großstadtdschungel.
Ganz flüchtig
Im Köpenicker Spreetunnel.

Ein Date entsteht
Und wie eh und je
Bemerkt man plötzlich,
Dass man sich versteht.

Die Zeit vergeht
Wie Nu im Flug.
Beim zweiten Kaffee
Plant man den Urlaub im Zug.

Unzertrennlich wird geliebt.
Verspricht sich weniger graue Tage.
Teilt sich Kummer und Alltagslast.
Teilt sich Freude und Aufgaben.

Man trifft sich im Großstadtgewusel.
Zuhause kennt man’s nicht.
Zwischen Touristen, Lärm und billigem Fusel
Geht man still und unberührt.

Keine Spur von Romantik.
Kein Nebeneinander Händchen haltend.
Dann und wann mal ein Bussi dort
Und dazwischen der Atlantik.

Man spricht direkt und sehr konkret.
Kleinlich und philiströs.
Wer denkt an Zukunft oder an Morgen?
Das wäre desaströs.

Liebesbriefe wünschenwert.
Bereiten Sie doch Freude.
Sie schmeicheln Frau doch sehr genau.
Aber Großstädter tragen kein Herz zur Schau.

Es werden keine Blumen,
Keine Achtsamkeit verschenkt.
Selbst Spesen werden getrennt.
Die Erotik aufs Wochendende beschränkt.

Hat man genug von der Laus
Packt man die sortierten Kisten
Aus dem hübsch möbliertem Haus.
Und lässt per Messenger kurz wissen.
— „Es ist aus“ –.

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