Die belanglose Berechenbarkeit des Alltäglichen

Heute ist Sonntag. Eigentlich ein Tag der Ruhe, Besinnung und Einkehr. Aber in Wirklichkeit gibt es keinen Stillstand mehr in unserer Welt. Wenn sich heutzutage nicht permanent etwas bewegt, ist es wertlos. Wenn nicht dauernd über etwas gesprochen wird, gerät es schnell in Vergessenheit. Dabei ist die Verinnerlichung von Dingen oft die Voraussetzung dafür, dass man sich und das versteht, was mit einem passiert, wenn man sich darauf einlässt.

In welchem Mikrokosmos leben wir eigentlich? Betrachtet man sich einmal aus der Vogelperspektive, so sind die Wege, die wir gehen nicht besonders weit und die Möglichkeiten, die wir haben, bleiben oft eher begrenzt, als erweiternd für unseren Horizont.
Wir scheinen gefangen zu sein in einer Schleife aus ewig gleichen Ritualen. Aufstehen, Arbeiten, Essen, Schlafen. Und dazwischen regiert eine unsichtbare Sehnsucht unsere inneren Ziele. Während unsere Auffassung von dem, was wir wirklich gerne einmal machen würden so immer utopischer wird, bleiben die Dinge, die wir in Wirklichkeit zustande bringen überschaubar.

Wir bauen ein Haus, wir kaufen ein Auto und vielleicht bekommen wir ein oder zwei Kinder. Als wäre das schon Anlass genug für eine innere Zufriedenheit?
Wahrscheinlich schon, wenn es da nicht eine ganze Industrie von Idealen gäbe, die uns suggeriert, dass das Gewöhnliche nicht ausreicht und das Unerreichbare stets darüber steht. So geraten wir in eine dauerhafte Schleife aus Unzufriedenheit. Wir wünschen uns den idealen Partner, die ideale Verfassung, den idealen Moment, das Idealgewicht und schließlich den idealen Tod. Wir verzweifeln an der belanglosen Berechenbarkeit des Alltäglichen und sehnen uns nach der Unberechenbarkeit des Diffusen. Unsere Feinde sind dabei diejenigen, die unsere Träume hinterfragen und unsere Freunde diejenigen, die sie erzeugen.
Moralische Instanzen und philosophische Erwägungen werden häufig abgetan oder als zu mühsam oder zu störend empfunden. Vielmehr noch vertrauen wir unser Schicksal allzuoft sogar denen an, die uns verführen wollen, statt uns zu leiten.

Am Ende bleiben wir nur ein Haufen Sehnsucht. Jemand, der auf dem Weg ist und nie ankommt. Und statt den Sonntag dafür zu nutzen einen entspannten Atemzug voll Vernunft zu nehmen, scharren wir weiter mit den Hufen, um uns auf eine weitere Runde des Rennens einzulassen, von dem wir vielleicht wissen in welche Richtung es führen könnte, aber noch nicht einmal ahnen, was am Ende dort auf uns wartet.

Schönen Sonntag euch allen da draußen.

(Quelle: Serdar Somuncu)

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